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Basketball auf Rädern

Körbe werfen, Dribblings, Dunking – wer an Basketball denkt, hat sofort Bilder von schnellen dynamischen Körperbewegungen und Sprüngen im Kopf. Doch Basketball wird als Sportart ebenso von Menschen mit einer körperlichen Einschränkung ausgeübt und geliebt – genannt Rollstuhlbasketball.

1946 wurde diese Variante des Spiels parallel in den Armeekrankenhäusern der USA und Großbritannien für junge Kriegsveteranen, die aufgrund einer Verletzung, meist einer Querschnittsschädigung, Basketball in seiner bisherigen Form nicht mehr spielen konnten und einen für sie möglichen Mannschaftssport als therapeutische Möglichkeit zur Rehabilitation suchten, erfunden. Von nun an begann mit der nationalen Organisation der „Paralyzed Veterans of America“ noch im selben Jahr und einer ersten Meisterschaft zwei Jahre später die Erfolgsgeschichte von Rollstuhlbasketball.

Die Anzahl der Begeisterten und Interessenten wuchs fortan kontinuierlich und führte zur Gründung der Home Town Teams bzw. Civilian Teams, die es nun den entlassenen Kriegsverletzen und einem größeren Kreis ermöglichte am Spiel teilzuhaben, wie Menschen mit anderen Behinderungen und Zivilgeschädigte. Endgültig institutionalisiert wurde Rollstuhlbasketball mit der Etablierung der National Wheelchair Basketball Association (NWBA) im April 1949, die festlegt jährlich ein Turnier auszutragen. Seit den ersten paralympischen Sommerspielen in Rom ist Rollstuhlbasketball eine eigenständige Disziplin. Heute beinhaltet die IWBF (International Wheelchair Bastketball Federation) 82 nationale aktive Vereinigungen. Aktuelle Paralymische Sieger sind seit Rio 2016 im Männer- sowie im Frauenteam die USA.

Wie funktioniert Rollstuhlbasketball?

Beim Rollstuhlbasketball handelt es sich „nicht um die behindertengerechte Variation des herkömmlichen Basketballspiels, sondern um eine eigenständige Sportart“ (2017: Deutscher Rollstuhl Sportverband e.V. ). Die Regeln gibt die IWBF basierend auf dem Regelwerk des FIBA (Internationaler Basketballverband) vor, welche, bis auf wenige spezielle Ausnahmen, identisch sind. Die Spielfeldgröße sowie die Korbhöhe sind identisch zum Basketball. Jedes Team spielt mit 5 Feldspielern das 4×10 Minuten lange Rollstuhlbasketballspiel. Die Trefferzählung ist ebenso gleich.

Genau wie beim Basketball gibt es auch beim Rollstuhlbasketball den „Schrittfehler“: Nach zwei Schüben muss der Ball gedribbelt werden. Allerdings darf das Dribbling, nach Halten des Balls oder Ablegen auf dem Schoß und nach Anschieben des Rollstuhls, beliebig oft wiederholt werden. Die Foulregeln lassen sich ebenso auf Rollstuhlbasketball übertragen, sind aber teils etwas angepasst, da der Rollstuhl an sich einfach etwas mehr Umfang mit sich bringt und nicht sofort zum Stehen gebracht werden kann. Daher ist nicht jeder Rollstuhlkontakt ein Foul. Ebenso gilt beim Angriff die 24-Sekunden Regel.

Der Rollstuhl ist ein teures Sportgerät und ist eine Eigenanfertigung für den Sportler, damit dieser an die spezifischen Maße und Bedürfnisse optimal angepasst ist. Besonderheiten beim Sportrollstuhl sind außerdem die verschweißten Räder zur Belastbarkeit, sowie die Schräge der Räder bis zu 21 Grad, womit zum einen Fahrstabilität und Wendigkeit gewährleistet werden – Eigenschaften, die im Spiel essentiell sind.

 

Was ist anders?

Anders sind auf den ersten Blick auf jeden Fall die Zusammensetzung der Teams, die aus Männern, Frauen, Behinderten und Nichtbehinderten bestehen und es so verschiedenen Gruppen ermöglichen zusammen einen Sport zu betreiben.

Rollstuhlbasketball

Um dabei Gerechtigkeit zu wahren und Chancengleichheit zu schaffen, wurde ein spezielles Klassifizierungssystem der Mobilität entwickelt, welches die Spieler nach der Stärke ihrer Behinderung bzw. nach der Fähigkeit bestimmte Bewegungen auszuführen, in Stufen einteilt. Konkret werden dabei die basketballrelevanten Muskelfunktionen eines Spielers registriert. Die Skala erstreckt sich dabei in 0,5-Punkte-Schritten von 1,0 (z.B. fehlende Rumpfkontrolle) bis zu 4,5 (Nicht- oder Minimalbehinderte z.B. amputierter Unterschenkel). In der Bundesliga in Deutschland darf eine Summe von 14,5 Punkten nicht überschritten werden. Eine weibliche Spielerin erhöht den Wert der Gruppe um 1,5 Punkte.


Erfahrungsbericht von einem Probetraining in Berlin

„Rollstuhlbasketball ist ein toller integrativer und inklusiver Sport. Ich muss zugeben, ich war zu Beginn etwas skeptisch, war dann aber positiv überrascht, wie schnell wir uns für diese Sportart begeistern konnten. Bevor wir einen Basketball in die Hand bekommen haben, sollten wir uns mit dem Rollstuhl vertraut machen. Die Rollstühle sind sehr stabil und können prinzipiell auch nicht umkippen, wodurch man nach ein paar Fahrten durch die Halle schnell ein sehr sicheres Gefühl bekommt. Die Hand- und Oberkörperbewegungen zum Lenken, Beschleunigen und Abbremsen war am Anfang neu, ließ sich aber spielerisch schnell verinnerlichen und hat sich nach einer Weil sehr vertraut angefühlt. In Kombination mit den Basketbällen merkt man aber erst wirklich, über wieviel Disziplin, Geschick und Konzentration man als erfolgreicher Rollstuhlbasketballspieler verfügen sollte. Die Motorik des Körpers beschränkt sich auf den Oberkörper, der simultan den Rollstuhl und den Basketball führen muss, was das Dribbeln sehr erschwert und am Anfang oft zu Ballverlusten geführt hat. Im 1:1 Passspiel konnte man sich ebenfalls darauf einstellen, dass der Ball noch passgenauer als beim Basketball geworfen werden muss, da das Gegenüber im Rollstuhl wesentlich unflexibler ist und einen viel geringeren Bewegungsradius hat. Interessant war ebenfalls die neue Erfahrung aus dem Rollstuhl einen Korb zu werfen. Auf der letzten Etappe, dem Spiel, haben wir dann alles bisher Gelernte kombiniert. Trotz des vermeintlichen temporären Handicaps machte das Spiel sehr viel Spaß und es kam zu aktiven Begegnungen, die auch einige (beinahe) Zusammenstöße beinhalteten. Im Laufe  des Spiels vergaß ich regelrecht, dass ich sonst auf zwei Beinen Körbe werfe, und lernte schnell dazu: Da ich weniger mit meinem Körper agieren kann, musste ich etwas taktischer vordenken und musste mich schnell auf mehrere Dingen gleichzeitig konzentrieren: Meine Mitspieler, die Gegner, der Basketball, der Rollstuhl. Auch wenn das Korbtreffen im Spiel auf jeden Fall mehr Übung bräuchte, fand ich das Probetraining eine tolle Erfahrung und sehe sowohl Basketball als auch Rollstuhlbasketball mit anderen Augen und lade jeden Basketballfan ein, sich ebenfalls in einen Rollstuhl zu setzen und loszuspielen – es lohnt sich!“

 

 

Quelle: http://www.drs-rbb.de/das-spiel.html, http://www.nwba.org/page/show/2019775-history